22.4.2008
„Peinlicher Missgriff“
Streit über Kirchenvertreter im Deutschen Ethikrat
Innerhalb des neuen Deutschen Ethikrats gibt es Streit über die Besetzung des Gremiums. Die Forderung des Vorsitzenden Edzard Schmidt-Jortzig (FDP), offizielle Kirchenvertreter sollten im Ethikrat nicht mitarbeiten, stieß auf heftigen Widerspruch seines Stellvertreters, des Freiburger katholischen Moraltheologen Eberhard Schockenhoff.
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Schockenhoff sprach am Montag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn von einem „peinlichen Missgriff“ und „unkollegialem Stil“. Es handele sich um die Privatmeinung von Schmidt-Jortzig, die nicht repräsentativ für das Gremium sei.
Ethikrat als Experiment?
„Ob die jetzige Zusammensetzung unter Repräsentanzgesichtspunkten das Optimum ist, lässt sich bezweifeln“ hatte Schmidt-Jortzig der in Berlin erschienenen „Jüdischen Allgemeinen“ gesagt. Im Prinzip würde er es begrüßen, wenn es im Rat eine offizielle jüdische Stimme gebe, so der Vorsitzende auf Nachfrage der Zeitung, ob nicht auch ein Rabbiner in dem Gremium vertreten sein sollte. Der Ethikrat sei noch ein Experiment.
In dem Interview führte Schmidt-Jortzig weiter aus, dass man es aber auch umgekehrt problematisch finden könne, dass überhaupt aus den christlichen Religionsgemeinschaften jemand von Amts wegen vertreten sein muss, also jeweils ein Bischof. Dann müssten auch andere das Recht dazu haben. Es sei ja auch kein muslimischer Vertreter in dem Gremium.
Der Vorsitzende betonte aber, dass es religiösen Stimmen
im Ethikrat geben müsse und verwies auf das Beispiel des katholischen Theologen Schockenhoff. Dieser argumentiere als Person und nicht qua Amt.
Respekt gefordert
Schockenhoff erklärte seinerseits, es sei „nicht Aufgabe des Vorsitzenden, die Zusammensetzung des eben erst berufenen Ethikrats öffentlich in Frage zu stellen“. Alle Mitglieder seien von Bundesregierung oder Bundestagsfraktionen als Einzelmitglieder berufen worden. Dabei hätten persönliches Profil, bisherige Tätigkeit, fachlicher Hintergrund oder Nähe zu bestimmten gesellschaftlichen Gruppen den Ausschlag gegeben.
Auch Schmidt-Jortzig sei von seiner Partei, der FDP, aufgrund seines früheren Amtes als Bundesjustizminister vorgeschlagen worden, so Schockenhoff. Er verlangte kollegiale Achtung und gegenseitigen Respekt, wie er trotz unüberbrückbarer Gegensätze im Verständnis von Menschenwürde und Lebensschutz auch im Vorgängergremium, dem Nationalen Ethikrat, vorgeherrscht habe.
Dem Rat gehören von kirchlicher Seite der Augsburger katholische Weihbischof Anton Losinger, der evangelische thüringische Landesbischof Christoph Kähler und der Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland, Hermann Barth, an.
(kna)